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Hut ab vor dem Institut für Kommunikation und Führung, welches Mitte März null Komma plötzlich den Unterricht in den virtuellen Raum verlegt hat. In meinem Fall ist daraus eine durchaus positive Erfahrung geworden. Hier lesen Sie übers Wie.

Das Virus ist farbenblind, aber die Folgen treffen die Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich. Das muss weder sein noch macht das Ausmass für irgendjemanden Sinn. Die ökonomische Theorie hat dazu besseres zu sagen als «Durchseuchung» und mehr als «Eigenverantwortung». Das habe ich im Zürcher PS kurz ausformuliert. Vielleicht hat es ja auch in der Schweiz Supervermögende, die sich diese Gedanken machen? 

Würde ich behaupten, jede Minute der Lektüre sei reines Vergnügen gewesen, würde ich lügen. Die im Frühling 2020 erschienene deutsche Übersetzung von Professor Pikettys Wälzer «Kapital und Ideologie» ist mehr als 1300 Seiten schwer. Die sorgfältige Lektüre und die Besprechung auf engem Raum nahm eine Woche in Anspruch. Motiviert hatte mich der, aus meiner Sicht auch kritische, Austausch mit ihm am 11. März 2020 - mein Bericht lässt sich in der Zürcher Zeitung P.S. nachlesen. 

Auf viele drängenden Fragen skizziert Piketty Ansätze ökonomisch nachvollziehbarer Antworten und untermauert sie mit grosser Datenfülle. Die Lektüre kann der Sprache und der Länge wegen zur Disziplinfrage werden, aber sie lohnt sich letztendlich. Vor allem zeigt sie auf, dass die vergleichsweise tiefe Ungleichheit von 1950 - 1990 von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt war - und die Zunahme der Ungleichheit hohes Potential hat, allen zu schaden. Was, namentlich die Sozialdemokratie dagegen tun könnte und was sie in den letzten Jahrzehnten verpasst hat, legt er ebenfalls nachvollziehbar dar. Für mich als Sozialdemokratin so, dass es mir wirklich zu denken gab.

Meine zusammengefasste Sicht des Werkes ist in der Zeitung P.S. im Juni 2020 erschienen.

Sie waren bereits Haare schneiden? Und gehen diese Woche ins Elektronikgeschäft oder auf den Markt? Wieder erlaubt und wieder möglich. Oder was war Ihnen persönlich am Wichtigsten? Der Gang in die Stammbeiz? Wer kann, geht die Lockerungen von #StayAtHome vermutlich schrittweise an, gewinnt etwas Routine im Umgang mit den Schutzmassnahmen und bleibt mit oder ohne Office noch oft im Home.

Mein Entscheid, Coaching auf Distanz anzubieten, fiel Ende letztes Jahr. Noch war Corona ausserhalb Chinas nicht einmal eine düstere Wolke am Horizont und wir konnten uns #StayAtHome auch nicht ansatzweise vorstellen. Der Entscheid fürs Remote-Coaching gründet in den Bedürfnissen der Kundschaft. Viele Menschen, Führungskräfte, Fachleute,  Entscheidungsträgerinnen sind so eingespannt, dass sie sich kaum wöchentlich oder zweiwöchentlich eine gute Stunde und dazu noch die Wegzeit reservieren. Lieber melden sie sich flexibel und diskret, wenn die Fragestellung brennt. Per Telefon oder Video – die Apps und virtuellen Sitzungszimmer spriessen nur so aus dem Boden und werden immer besser – lassen sich, oft verblüffend rasch, durch geeignete Fragetechniken gemeinsam Schritte hin zur Lösung entwickeln. Meist sind es Teilschritte hin zu Teillösungen und beim nächsten «Treffen» kommt der nächste Teil dran. Schritt um Schritt eben, irgendwie ähnlich wie beim Lernen, mit dem Virus zu leben.

Mit der bundesrätlichen Aufforderung «Bleiben Sie zu Hause!» erhielt mein Online-Format Mitte März unerwartete Aktualität.

Die Kundschaft liess das übliche «physische Anfangstreffen» aus und ich darf sagen, es geht auch ohne gut. Parallel wurde meine Anfang März in Luzern begonnene Weiterbildung «Transkulturelles Coaching und Organisationsberatung» vom Kursraum ins Online-Tool verlegt, wo wir seither eine stattliche Zahl von Kurstagen und Gruppenübungen verbracht und unverhofft rasch unseren Erfahrungsschatz ausgeweitet haben. Einzelne TeilnehmerInnen habe ich vielleicht sogar besser kennen gelernt als im Präsenzunterricht. 

«Hände waschen» wird noch eine ganze Weile lang das Gebot der Stunde sein und Abstand halten leider auch. Seit dem 11. Mai können wir uns, wenn Sie wollen, im Sitzungszimmer treffen. Online ist das Coaching vielleicht anders, helfen tut es aber meist sowieso. 

Ernst Frischknecht meinte an der Buchvernissage, Bauern, die nie über die heimische Scholle hinausgeschaut hätten, seien nicht eben die innovativsten. Selber passt er kaum in eine Kategorie. 

Meiner Polit-Generation ist Ernst Frischknecht als streitbarer und eher konservativer Kantonsrat in Erinnerung. Dieses Buch beleuchtet nun sein Wirken in der Bio-Landwirtschaft. Perfekter könnte der Zeitpunkt kaum passen: Glyphosat ist hinlänglich bekannt, Klima in aller Munde und die Trinkwasser- und die Pestizid-Initiative sollen 2020 zur Abstimmung kommen. Eine alte Forderung Frischknechts dagegen, die Besteuerung von Stickstoff oder Pestiziden, harrt leider weiterhin der Dinge. Als Bauer denkt Ernst Frischknecht denkt in Systemen: Was will ihm der Boden sagen, wenn Unkraut wächst? Wie werden Menschen empfänglich für neue Ideen? 

Die Autorin widersteht der Versuchung, chronologisch abzuspulen, obwohl die Zeitspanne von Frischknechts Eltern bis zu Greta Thunberg und Martin Neukoms Wahl in den Regierungsrat reicht. Sie setzt Frischknechts Fragen, Erkenntnisse, Provokationen und das Leben auf dem Bauernhof fundierter Recherche gegenüber und einfach lesbar in den gesellschaftlichen Zusammenhang – bleiben tut Zuversicht.

Als Buchrezension erschienen im P.S. 17. Januar 2020. Christine Loriol, «Damit wir auch in Zukunft eine Zukunft haben», elfundzehn Verlag 2019.

Weniger Schadstoffe, gesünder Leben, hochstehende Medizin und sicherer Verkehr schlagen in den letzten Jahrzehnten deutlich zu Buche mit länger andauernder Gesundheit: Ab dem AHV-Alter arbeitet die Statistik für uns. Den Zürcherinnen und Zürchern – in Basel und Bern wohl auch – stehen ab dann gegen sechs gesunde Lebensjahre mehr bevor als noch in den 80er Jahren. 

Es lohnt sich also auch in dieser Hinsicht, dass

  • die Stickoxidbelastung innert eines Jahrzehnts fast halbiert wurde,
  • wir uns öfter bewegen,
  • mehr Gemüse und Ballaststoffe essen und
  • beim motorisierten Verkehr viel in Temporeduktionen investiert haben.

Sodann können wir der Statistik weiter nachhelfen und auch auf unser individuelles Konto «einzahlen».

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